• Julia Binsack

No. 2 - Wieso macht der Ton die Musik?

Für wen kauft ein Egoist Obst? Pfirsich!


Die deutsche Sprache ist witzig, tiefgründig und wunderbar. Ähm, ja. Das wussten auch schon die großen Dichter und Denkerinnen. Aber sie ist auch nicht ganz leicht. Wir müssen eine Sprache schon ziemlich gut beherrschen, um einen Witz zu verstehen. Und selbst dann ist er noch lange nicht für alle witzig. Es ist also ziemlich kompliziert mit dem Verstehen und dem Verständigen. Andauernd versteht einer einen anderen falsch oder anders oder gar nicht. Das sorgt für Frust. Und für Shitstorms.



Und das wird nicht besser, wenn wir uns mit Menschen austauschen, die ganz anders ticken als wir selbst. Ein Problem also, wenn wir darüber nachdenken, wie Vielfalt und Teilhabe in unserer Gesellschaft und am Arbeitsplatz gelingen kann. Wer sich nicht versteht und verständigt, läuft auch Gefahr, sich nicht zu verstehen. Sich nicht zu mögen! In Wirtschaftsjargon übersetzt heißt das: Wer Diversitätsmanagement betreiben möchte, muss sich mit den Herausforderungen und Chancen der verbalen Kommunikation beschäftigen.

 

Transportieren Sie Wohlwollen in Stimme und Körpersprache

 

Während die schlechte Nachricht ist, dass wir uns oft nicht verstehen, wenn wir miteinander reden, gibt es auch eine gute Nachricht: Inhalt und Bedeutung von Worten sind eigentlich gar nicht so wichtig. Zumindest dort, wo Missverständnis und Unverstandensein lauern. Denn dann wird unsere Intention primär über Stimme, Mimik und Körpersprache transportiert. In dem heiklen Moment kommt es auf die Wirkung der sprechenden Person an. Der Ton macht die Musik. Der Wissenschaftler Albert Mehrabian hat erforscht, was den Worten ihre Bedeutung gibt, wenn verbale und nonverbale Kommunikation nicht ganz zusammenzupassen scheinen: zu 55 Prozent sind es Mimik und Körpersprache, zu 38 Prozent sind es der Ton und die Intonation der Stimme - und die Wörter selbst machen lediglich 7 Prozent aus.


Das ist doch wunderbar! Hier also mein Tipp für den Weg zu mehr Vielfalt und Teilhabe, wenn die mühsam abgewogenen Worte versagen:


Transportieren Sie Wohlwollen in Stimme, Mimik und Körpersprache. Konzentrieren Sie sich insbesondere darauf, wenn das Gespräch schwierig ist oder zu werden droht. Ein Lächeln, ein aufmunterndes Geräusch, der Augenkontakt und eine besonders warme, freundliche Stimme können eine Brücke schlagen und das Gespräch aufrecht erhalten. ‚Lean in!‘ sagen wir dazu im Englischen. Ein schöner Ausdruck!


Viel Spaß beim nächsten wärmenden Gespräch.



PS: Und wenn Sie auch zu den Menschen gehören, die mit dem Unterschied zwischen Pfirsich und Nektarine kämpfen: Der Pfirsich hat die Haare. Kleine Unterschiede können bedeutsam sein.